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Die Alwin-Tales

“Tales” (aus dem englischen: Geschichten, Märchen, Erzählungen) im engeren Sinn sind es eigentlich nicht, was Alwin Mager erzählt, hat schon so stattgefunden und ist von ihm erlebt worden. Aber igendwie passt der Begriff doch, man muß nur einmal mit ihm in der Küche sitzen und zuhören, wenn er in´s Erzählen gerät und ein Geschichte nach der anderen zu berichten weiß...

Ich hoffe, im Lauf der Zeit noch einige Erlebnisse ergänzen zu können. Die Schilderungen sind praktisch unverändert so, wie ich sie von ihm erhalten habe.

Ein ganz, ganz herzliche Dank auf jeden Fall für dich, Alwin!

Winterwerb als Bauerndorf

Winterwerb ist, soweit man zurückverfolgen kann, ein Bauerndorf gewesen. Die Landwirtschaft war geprägt von der Drei-Felderwirtschaft, Roggen, Hafer und Hackfrüchte. Der Viehbestand setzte sich aus Rindvieh, Schweinen und Hühnern zusammen. Auch hatte die Schafhaltung in früheren Jahren, ja sogar bis zur Einführung der DM, eine Bedeutung. Früher, vor dem ersten Weltkrieg, hatte Winterwerb eine Schafherde. Sie wurde von einem Schäfer gehütet. Der Schäfer wohnte in einem Hirtenhaus, das Eigentum der Gemeinde war (Anmerk.: das jetzige Haus Hartmann). In den langen Winterabenden wurde von den Frauen die Wolle zu Garn gesponnen. Aus dem Garn wurden dann Strümpfe und warme Winterkleider gestrickt. Zum Färben der Stricksachen wurden vielfach die Hüllen der Walnuß verwendet, die eine braune Färbung hinterließen. Weiter spielte noch der Anbau von Raps und Flachs eine Rolle. Da es an den Bächen in unserer Region mehrere Ölmühlen gab, konnte man den Raps hier zu Speiseöl schlagen lassen.

 

Der Anbau und die Verwendung von Flachs und Raps

Ein ganz besonderer Erwerbszweig war für die Bauern, die einen Webstuhl besaßen, der Anbau von Flachs. Bis noch in die dreißiger Jahre waren in Winterwerb 11 Webstühle vorhanden. Ein großer Teil wurde im Krieg, als die Aufforderung erging, wegen Brandgefahr die Speicher zu entrümpeln, vernichtet. Mancher konnte nach dem Krieg von Althändlern gute Preise erhalten.

Der Flachs mußte sich, da er zu Garn gesponnen wurde, vielen Arbeitsgängen unterziehen. Zuerst wurden die Samenknoten abgekämmt. Der gewonnene Leinsamen fand vielerlei Verwendung. Bei Geburten im Viehstall wurde der Lein zu Schleim gekocht und als Gleitmittel benutzt. Auch fand er bei Verdauungsstörungen Verwendung.

Er wurde auch an die Ölmühlen gebracht und zu Leinöl geschlagen. Das geschlagene Öl wurde zum Streichen der Fußböden benutzt.

Im Spätherbst wurde der Flachs auf taunassen Wiesen ausgebreitet, damit die äußere Hülle faulte. Später wurde er geröstet. Dies geschah in der Brechkaut. Die Brechkaut befand sich da, wo heute das Haus Proschka steht. Sie bestand aus einer 2 x 2 m großen, gemauerten Feuerstelle. Über diese Feuerstelle wurden Leitern gelegt und der Flachs darauf ausgebreitet. Das Feuer wurde von einer fachkundigen Frau überwacht. Dann wurde der Flachs mit einer sogenannten "Breche" gebrochen. Er mußte noch verschiedene Arbeitsgänge durchmachen, zum Beispiel Häscheln und Schwingen, bis er gesponnen werden konnte.

Das Spinnen nahm mehrere Winterjahre in Anspruch, bis genügend Garn zum Weben vorhanden war. Nun mußte Baumwollgarn gekauft werden, das aufgebäumt werden mußte. Die gesponnenen Flachsfäden wurden in die Baumwolle eingewebt. Das so entstandene Leinen mußte nun gebleicht werden. Die sogenannten Bleichwiesen befanden sich auf der Reckenwies. Es waren kleine Parzellen. Fast alle Familien besaßen hier eine kleine Wiese. Durch diese Wiesen führte ein kleiner Wassergraben. Kleine gemauerte Wasserstellen ermöglichten eine leichte Wasserentnahme mit dem Eimer oder der Gießkanne. Das hier zum Bleichen ausgebreitete Leinen mußte mehrmals am Tag gegossen werden. Nachts wurde es heimgeholt und im Waschkessel unter Zusatz von Holzasche gekocht. Dieser Vorgang wurde so lang wiederholt, bis das Leinen schön weiß war. Nun konnte es weiterverarbeitet werden. Ein großer Teil des Leinens wurde für Bettücher verwendet. Aus dem Rest wurden Arbeitshemden und Arbeitskleider genäht.

Obwohl die Winterwerber den Spitznamen "Buchsefärber" haben, läßt sich nicht nachweisen, daß hier eine Färberei war. Wahrscheinlich gab man den Winterwerbern daher den Namen, weil viel Leinen zum Färben gebracht wurde. Noch nach dem Krieg, zu Reichsmark-Zeiten wurden noch vorhandene Rollen Leinen, da es nichts zu Kaufen gab, zum Färber gebracht. Mit Einrichtung der DM verlor diese Einrichtung ihre Daseinsberechtigung. (Anmerk.: die Färberei befand sich in Miehlen).

 

Das Getreidedreschen

In früheren Jahren wurde das Getreide mit dem Flegel gedroschen. Dann wurde eine Dreschgesellschaft ins Leben gerufen, die eine Dreschmaschine erwarb. Sie wurde durch eine Dampfmaschine angetrieben. Später wurde ein Elektromotor angeschafft. Nicht alle Bauern waren Mitglied der Dreschgesellschaft. Einige hatten selbst eine kleine Maschine, die durch einen Göpel angetrieben wurde. Später schloß sich aber einer nach dem anderen der Gesellschaft an. Die Maschine wurde durch einen Maschinisten gewartet. Beim Dreschen benötigte man ca. 14 Personen. Das Dorf war in zwei Rotten eingeteilt, die sich gegenseitig halfen. Jeden Abend, wenn die Maschine abgestellt wurden, gabs Schnaps zu trinken (Anmerk.: sehr vernünftig!), der spülte den Dreschstaub hinunter. Zum Transport der Maschine von einem Hof zum anderen wurden 4 Pferde vorgespannt. Die Reihenfolge beim Dreschen war so, wer dieses Jahr zuerst an der Reihe war, kam im nächsten als letzter dran.

Der Abschluß (Anmerk.: des Dreschens) wurde mit reichlich Schnaps besiegelt. Abends gingen dann die jüngeren Drescher durch das Dorf und sammelten Eier und Speck. Dann ging es in die Gastwirtschaft, wo alles zu einer Flasche Schnaps, die der Maschinist spendiert hatte, verzehrt wurde. Das Ganze nannte man dann "Hahn rupfen". Auch dies alles wurde durch den (Anmerk.: modernen) Mähdrescher abgelöst.

 

1939 wurde durch die Genossenschaft eine Kleedreschmaschine angeschafft. Im Umkreis von 20 km kamen die Bauern nach Winterwerb und ließen hier ihren Klee dreschen. Auch diese Einrichtung verlor mit dem Einzug des Mähdreschers an Bedeutung. Anfangs der 70er wurden beide Maschinen (Getreide- und Kleedreschmaschine), nachdem sie einige Jahre stillgestanden hatten, im Feldweg an der Spitzwies verbrannt. Die Eisenteile wurden eingesammelt und an einen Schrotthändler verkauft. (Anmerk.: Hiervon gibt es noch ein Bild, auch wenn nicht allzuviel zu erkennen ist, taugt es doch als Erinnerung an das Ende einer Zeit)

 

 

 

 

 

 

 

 

Kartoffeldämp

1905 wurde in Winterwerb die "Spar- und Darlehenskasse" gegründet. Neben dem Geldgeschäft wurde auch der Bezug und Absatz im Warengeschäft getätigt. Mitte der dreißiger Jahre wurde auch eine Kartoffeldämpfanlage angeschafft. Da die Kartoffeln größtenteils als Schweinefutter Verwendung fanden, mußten sie von einer Ernte zur anderen reichen. Vom Reichsnährstand wurde den Landwirten Zuschuß angeboten, um Kartoffelsilos zu errichten. Die eingedämpften Kartoffeln konnten so nicht mehr faulen. Da Winterwerb der einzige Ort im Kreis war, der eine Dämpfanlage besessen hat, mußte Winterwerb dafür sorgen, daß im ganzen Kreis die Kartoffeln eingedämpft wurden.

 

 

Naturereignis 1936

In der Nacht vom 4. auf den 5. Mai 1936 setzte starkes Schneetreiben ein. Die niedergegangenen Schneemassen waren so gewaltig, daß 90% der im Gemeindewald vorhandenen Fichtenbestände vernichtet wurden. In der Nacht hörte man deutlich das Krachen und Bersten umstürzender Bäume. Es gab nun reichlich Arbeit. Durch Forstarbeiter wurden die Fichtenstämme in 2-m-Stücke aufgearbeitet und mussten von den Landwirten mit Fuhrwerken an feste Straßen gebracht werden

Anschließend mussten die Reiser und Spitzen der Bäume wegen Borkenkäfergefahr in Fronarbeit der Gemeinde verbrannt werden, da die Neuanpflanzung begann. In Dachsenhausen wurde ein Lager des Reichsarbeitsdienstes errichtet und die jungen Männer wurden zusätzlich im Wald eingesetzt. Später wurde eine Kolonne im Winterwerber Steinbruch beschäftigt.

 

 

Die Verkehrsverhältnisse

 

Vor dem ersten Weltkrieg mußte man, wenn ein Besuch einer nahegelegenen Stadt erforderlich wurde, dies zu Fuß erledigen. Bei größeren Besorgnissen wurde das Pferdefuhrwerk, sofern vorhanden, benutzt. Im Jahr 1903 wurde die Kleinbahn durch italienische Arbeiter erbaut. Man konnte jetzt die Städte Braubach, St. Goarshausen und Nastätten mit der Bahn erreichen. Von Nastätten führte die Bahn weiter nach Zollhaus und hatte hier Anschluß an die Aarbahn Limburg – Schwalbach. Winterwerb bekam einen Bahnhof am Rheinweg im Wald gelegen. Die Bahn beförderte Personen und Güter aller Art. Sie hatte nur einen Nachteil, da sie schmalspurig war. Die Güter mußten von der Reichsbahn, die vollspurig war, in Braubach oder St. Goarshausen auf die Schmalspur umgeladen werden. Dies hatte auch dazu beigetragen, daß die Bahnstrecke 1930 stillgelegt und abgebaut wurde. Der Güterverkehr wurde jetzt von LKW´s übernommen. Den Personentransport übernahmen 2 Unternehmen aus Gemmerich, die aber in den Jahren 1933-34 durch die Reichspost, die die Personenbeförderung übernahm, verdräng wurden. Diese Posteinrichtung konnte sich über den ganzen Krieg halten und mußte in den 50er Jahren, als immer mehr PKW angeschafft wurden, den Fahrplan stark reduzieren. Heute wird die Personenbeförderung von Privatunternehmen durchgeführt, die Hauptaufgabe besteht in der Schülerbeförderung.

 

 

Die Wasserversorgung in Winterwerb

 

Der Ort Winterwerb lag ehemals nördlich im jetzigen Distrikt "Alt-Winterwerb" und wurde im 30jährigen Krieg restlos zerstört. Die Bewohner flüchteten in eine Scheune, sie befand sich in der jetzigen Ortslage Winterwerb und war unversehrt. Hier wurde dann später der Ort Winterwerb wieder aufgebaut. Als gut konnte man die Versorgung  mit Wasser bezeichnen. Es waren mehrere Wasseradern vorhanden, die es ermöglichten, Brunnen zu errichten. So hatte fast jede Hofstelle einen Brunnen. Außerdem befand sich in der Rheinstraße und am Haus "Theis" je ein gemeindeeigener Brunnen. Die Wasserqualität war gut. So wurden Brunnen bei den Kaisermanövern, die in unserem Gebiet stattfanden, in den Jahren 1911 und 1913 mit dem Vermerk "Trinkwasser" versehen. Im Jahr 1930 beschloß man, eine Wasserleitung zu erbauen. Die Quelle wurde in der "Dell" erfaßt und mit 1 cm Gefälle auf den laufenden Meter zum Hochbehälter am Buchweg geleitet. Von hier hatte man errechnet, daß der Wasserspiegel 1 m über dem höchstgelegenen Haus der Familie Müller lag. Als die Wasserleitung fertiggestellt war, fand eine Feuerwehrübung statt, und stellte fest, daß man mit der Wasserleitung im Ernstfall einen Brand am höchst gelegenen Haus in Winterwerb bekämpfen konnte.

 

 

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