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Nachfolgend ist der Winterwerb betreffende Auszug aus einem Aufsatz von Hellmuth Gensicke wiedergegeben, den dieser im Rahmen einer Aufsatzserie zur nassauischen Ortsgeschichte: Kirschspiel und Gericht Niederbachheit 1983 veröffentlicht hat (Nassauische Annalen 94, hier S. 300 – 303). Der Text ist zur leichteren Lesbarkeit geringfügig bearbeitet.

Die erste Erwähnung von Winterwerb findet sich 1353 als Wynterburn. In den nachfolgenden Jahrhunderten wird der Ort noch unter folgenden Namen aufgeführt: Winterbur, Winterberg, Wintherber, Winterbure, Wynterburg, Winterburg, Winterborn, Winter Werba, Winderwerb und 1665 schließlich als Winterwerb.. Das Grundwort, althochdeutsch, mittelhochdeutsch bu^r „Bau, Gebäude, Haus, Wohnung“, wurde auch hier früh nicht mehr verstanden. Der gleiche Ortsname kommt als Winterborn bei Rockenhausen und bei Gummersbach, als Winterbüren bei Kassel vor. Er gehört einer vorkarolingischen Ausbauperiode an und ist wohl als Gebäude auf der Winterseite, der Nordseite, zu deuten. An ein Gebäude zur Aufbewahrung von Getreide im Winter oder eine Winterwohnung gegenüber Sommerwohnung ist weniger zu denken.

Wilhelm von der Arken aus einer Koblenzer Adelsfamilie wurde 1353 von Salentin Herrn von Isenburg mit dem Dorf Winterwerb und dem Zehnten zu Oberbachheim (Bachheim) belehnt. Der Lehnbrief Gerlachs Herrn von Isenburg-Grenzau für Eberhard von der Arken spricht 1463 von Dorf und Gericht. Es handelt sich auch hier ohne Zweifel um ein Stück des Arnsteiner Erbes der Herren von Isenburg. Danach war 1491 Philipp Hirt von Saulheim belehnt, der 1466 mit Metze von der Arken, Eberhards Tochter, verheiratet war. Philipp verschrieb 1494 das Lehen als Heimsteuer seiner Töchter Katharina und Anna ihren Männern Dietrich Hilchen von Lorch und Philipp von Reifenberg. Philipp von Reifenberg aus der Linie zu Kirberg wurde 1502 noch einmal belehnt. Das Lehen war danach ganz in den Händen der Hilchen von Lorch, die nach 1664 von Kurtrier 1681 belehnt wurden. Nach dem Aussterben des Mannesstammes wurden 1730 Eleonora Charlotte Hilchen von Lorch und ihre Nichte Sophie Marie von Erffa belehnt, nach deren Tod Kurtrier 1746 das Lehen einzog. Ihr Halbbruder, der kursächsische Etatsminister Freiherr Eberhard Hartmann von Erffa blieb jedoch im Besitz. Für den Verzicht auf Burg und Hof zu Dernbach bei Montabaur und anderen Besitz wurden 1760 dessen Vetter, der Brandenburg-Ansbacher Geheime Rat und Präsident Georg Hartmann von Erffa und dessen Schwester, die Frau des Sachsen-Koburger Kanzlers von Hendrich, 1761 neu mit dem Dorf Winterwerb und dem Zehnten zu Oberbachheim belehnt. Am Lehen waren danach die von Erffa zu Meiningen, die 1817 diesen Besitz verkaufen wollten, und der Freiherr von Hendrich 1802 beteiligt.

Die Hilchen von Lorch hatten 1595 ein Hubengericht in Winterwerb, an dem Hessen zu einem Drittel beteiligt war, das dreimal im Jahr gehalten wurde. Es war 1598 mit Hubenschultheiß und Schöffen besetzt und führte 1600 ein Hubengerichtsbuch. Das vierherrische Gericht Marienfels beanspruchte 1739 den Weinkauf bei Verkauf und Übergabe von Hofreiten in Winterwerb, der vorher dem Hubengericht zustand.

Die Hübner gaben 1595, 1681 und 1771 außer dem Hubenhuhn und dem Hubenbesthaupt, das die Hilchen 1599 viel zu hoch nahmen jeweils etwa 9 Malter Korn und Hafer, wovon Hessen ein Drittel hatte. Erbrenten, meist von der Hube, bezogen noch 1828 die nassauische Domäne und der Freiherr von Hendrich.

Den hessischen Anteil besaßen die Grafen von Katzenelnbogen schon vor 1385, als deren Mann Bon dort geschädigt wurde. Die je 3 Malter Korn und Hafer wurden 1425 von Bon, 1434 und 1435 vom Schultheiß der Hube und 1479 aus Winterwerb an die Kellerei Reichenberg geliefert.

Hessen hatte um 1530 im Winterwerber Wald den 5. Stamm und Eckernnutzung für das fünfte Schwein.

Die Hilchen von Lorch bezeichneten 1570 und 1586 auch den Hof Winterwerb als lsenburg-Grenzauer Lehen. Der Kauf von den von Kronberg war demnach wohl nur ein Rückkauf. Der Hof im Dorf hatte nach den Weistümern von 1584 und 1639 besondere Freiheit und für einen Tag und eine Nacht Asylrecht im Vierherrischen selbst für Mörder. Zum Hof gehörte 1594 als Wiese der Bruer. Diese Wiese war seit langem verpfändet, als die Hilchen diese 1667 an Einwohner verkauften. Die von Erffa verkauften 1737 und 1742 hier Güter an die Schenckern von Waldenburg zu Osterspai, die 1751 den ganzen Hof besaßen, der 1751 und 1771 für je 15 Malter Korn und Hafer und 1791 für eine noch höhere Pacht einem Hofmann auf Zeit verpachtet war. Der Freiherr von Preuschen wollte 1790 Hof und Zehnten kaufen, den jedoch mehrere Einwohner 1794 für 14500 Gulden erwarben. Vom Hof hatte 1791 die Rentei Reichenberg einen Weidhammel und einen Atztaler als Ablösung eines Herhergsrechtes.

\‘on den Grafen von Katzenelnbogen und nach 1479 von Hessen hatten Jutta Wilderichs. die Witwe Dietrichs von Allendorf 1424, dann ihr Schwager Richwin von Hohenstein und dessen Nachkommen von Hohenstein bis 1567, dann Dr. Friedrich Nordeck 1568 und seine Nachkommen, die von Nordeck, noch 1674 hier Korn-. Hafer- und Geldzinse zu Lehen. Diese kleine Hube ohne Hubengericht gab 1771 6 Sömmer Korn, 9 Sömmer Hafer, 6 Albus und ein Hubenhuhn und noch 1828 den Freiherren von Nordeck Geld-, Korn- und Hafergülten.

Johann von Liebenstein erhielt 1455 bei der Teilung des Nachlasses seiner Großmutter Christine von Scharfenstein, der Witwe des Friedrich von Liebenstein, hier Güter mit allem Zubehör. Diese Güter waren jedoch 1670 nicht mehr zu finden.

Nassau-Saarbrücken hob hier 1681 jährlich zwei Weidhämmel und Geldzinse. Die vom Stein hatten hier 1563 drei Hübner der Hube zu Schweighausen und 1595 10 Hübner der Bachheimer Hube.

Den Zehnten hatten 1582, 1586, 1648 und 1681 die Hilchen von Lorch, dann die von Erffa, die diesen 1738 den Schenckern von Waldenburg zu Liebeneck verpfändet und 1742 mit dem Hof verkauft hatten. Diese hatten 1771 auch den Blutzehnten und ein Zehntenheugeld und verkauften den gesamten Zehnten 1794 mit dem Hof an Einwohner. So waren 1828 Wiesen und Ackerland bis auf 27 Morgen zehntfrei. Neben Novalzehnten der Landesherren 1738, der Domäne 1828, hatten kleine Anteile die Pfarrei Niederbachheim 1771 und Herr von Hendrich 1828 zum Oberbachheimer Zehnten. Einen kleinen Heuzehnten hatte hier 1784 die Schule zu Gemmerich.

Vorsteher der Gemeinde war schon um 1655 und 1710 ein jährlich wechselnder Bürgermeister. Das Dorf hatte 1555 eine Kapelle. Die Gemarkung wurde 1801 in drei Feldern, Oberfeld, Niederfeld und Forsterfeld, genutzt. Die Namen Forsterfeld und aufdem Forst 1800 deuten auf altes Königsgut, der Name der Franckenwiese 1801 ist jedoch eher mit einem Personennamen gebildet. Der Flurname auf alten Winterwerb im Forsterfeld 1801 erinnert wohl an einen wüsten Wohnplatz. Streitig war oft der Weidgang mit dem Hof Büchelborn. Das Pfarrwäldchen 1771 hatte die Gemeinde 1788 der Pfarrei Niederbachheim entzogen.

Der bei Winterwerb entspringende Schaar- oder Kannelbach wird 1771 als gutes Krebs- und Forellenwasser beschrieben, ebenso sein Zufluß, das Ersbacher Bächelgen, das aus der Gemarkung Gemmerich kam.

Eigenleute hatten hier Nassau-Weilburg und Nassau-Idstein 1433 und 1572, die vom Stein 1433, 1520, die von Eltz 1520 und Kurtrier 1572.

Einwohner:

1526: 10,
1587: 14 Hausgesäße, Nassau und Trier,
1615: 19 Inwohner (= Haushalte!)
1631: 9 Hausgesäße, dabei 1 Witwe, 26 Kinder, Nassau Diez 1 und 4, Nassau-Saarbrücken 4 und 8,
         vom Stein 4 und 11,
1648: 7 Hausgesäße, 2 Hessen, 3 vom Stein, 1 Nassau-Saarbrücken, 1 Nassau-Diez,
1658: 65, 7 Hausgesäße und 1 Kuhhirt, 1 Diez, 2 Hessen, 1 Idstein, 2 vom Stein, 1 von Schöneck,
1665: 54, 10 Familien, alle luth.,
1681: 11 Häuser, 34 Kinder, Hessen 4 und 11, Nassau-Diez 0 und 2, Nassau-Saarbrücken 2 und 11,
         vom Stein 5 und 10, 11 Paar Ochsen und 7 Pferde,
1772: 25 Haushalte,
1809: 109
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