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Wie das “Blaue Ländchen” zu seinem Namen kam.....

Die Winterwerber werden in der Region auch als “Buxenfärber” bezeichnet. Dies weist ebenso wie der Name “Blaues Ländchen” darauf hin, daß in unserer Region in früheren Zeiten die Blaufärberei zuhause war. Vor dem Färben mit industriellen Farbstoffen bot die heimische Flora mit dem Färberwaid (Isatis tinctoria) eine Pflanze an, mit der blau gefärbt werden konnte.

Vorschlag eines Ortswappens mit dem Motiv des “Buxefärbers”

Die zweijährige Pflanze wurde auf Feldern angebaut und im Mai vor der Blüte geerntet. Man verwendete nur die Blätter, denn nur sie enthielten den Farbstoff Indikan - eine Vorstufe des Indigos.
Die Blätter wurden zunächst zerrieben und mit Urin befeuchtet. Diesen Pflanzenbrei überließ man mehrere Tage lang einem Gärvorgang. Durch die Zugabe von Alkohol wurde der Gärprozess verstärkt. Da der Alkohol aber teuer war, tranken die Färber viel Alkohol, der sich aber dann im Urin anreicherte.

Das Sammeln des Urins geschah meistens montags, weil die Familie sonntags zuhause war. Man benutzte mehrere Fäßchen, weil der Urin nach Altersgruppen gesammelt wurde. Der Urin der 12 bis 14jährigen Knaben war der wertvollste.

Das Ende des Gärprozesses kündigte sich durch ein Nachlassen des Gestankes an. Dieses Verfahren erfolgte bis ins 17. Jh. Der Pflanzenbrei wurde anschließend zu apfelgroßen Kugeln geformt, die man in der Sonne trocknete. Diese Waidkugeln konnte man länger aufbewahren und je nach Bedarf verwenden. Sie enthielten das Naturindigo, das im 19. Jh. durch chemisches Indigo ersetzt wurde.

Was auf den Stoff gedruckt wird, ist die sogenannte Reserve, von den Blaudruckern meist “Papp” genannt. Die Stellen bei den Models, die weißbleiben sollen, mit dieser wasserabweisenden Masse versehen, bevor das Tuch in den Farbkessel kommt. Anschließend wird der Papp - eine Mischung aus Tonerde, Gummi arabicum, salpetersaurem Blei, Kupfervitriol, Grünspan und Fett - in einem Spülbad mit leichter Schwefelsäure entfernt: das Muster tritt weiß hervor.

Zum Färben der Stoffe wurden diese meist sonntags für mindestens 12 Stunden in das Färbebad getaucht. Die Färbebottiche enthielten die (gelbe) Küpe, eine Mischung aus dem aus Waid gewonnen Produkt, Eisensulfat und Kalk. Wenn die Stoffe aus der Küpe gezogen wurden, erlebten die Färber ihr “blaues Wunder”: der gelbe Stoff wurde der Luft durch eine Reaktion mit dem Luftsauerstoff erst grün, bevor er die gewünschte blaue Farbe annahm.

Auftragen des Papp auf die Model

Männerkleidung färbte man vor dem Weben und Frauenkleidung nach dem Weben. Für den Färbvorgang mußten die Stränge oder das Leinen 3 Tage in der Küpe bleiben. Samstags setzte man an, sonntags und montags war Ruhetag (montags - "blau machen" = "Blauer Montag").

Zu der Deutung, daß der Blaue Montag ein Ruhetag war, schreibt der Blaufärber Georg Stark aus Jever:

“Viele Museumsfachleute und Historiker nehmen an, daß dies der Tag gewesen ist, an dem die Färber nicht zu arbeiten brauchten, sei es, daß der Stoff 24 Stunden in der Küpe hing, sei es, daß er den ganzen Tag an der Luft oxydierte - kurz, die Blaufärber hatten angeblich frei, die Arbeit machte sich von selbst und Faulheit regierte im Färberhandwerk...

...Meine tägliche praktische Arbeit an der Färberküpe ließ mich an diesen Behauptungen zweifeln: Wir wissen, daß Waid und Indigo in Zügen auf Baumwolle und Leinen gefärbt werden, z.B. 60 Minuten in die Farbe und 30 Minuten oxydieren an der Luft, dabei die Stoffe "grün und blau" schlagen, dem Sauerstoff öffnen. Eine schmutzige und schwere Arbeit mit nassem und schlüpfigem Leinen, welches auch noch stark alkalisch ist und so eine Gefahr der Verätzung für den Färber darstellt.

Immer wieder mußte der Stoff umgespannt werden, er hatte gehöriges Gewicht und stellte einen großen Wert dar: nicht Faulheit, sondern vielmehr Anspannung und Aufmerksamkeit waren beim Färben gefordert. Zudem waren die ersten Färbeküpen bekanntlich Gärungsküpen, wurden am Montag früh warm angesetzt und erforderten ständige Führung und Kontrolle, eine heikle, für die ganze Woche entscheidende Arbeit!”

Die Muster der Blaudruck-Stoffe werden von Hand mit Modeln gedruckt, Diese waren anfangs ganz aus Buchsbaumholz geschnitten, im 19, Jahrhundert bildete man das Muster aus feinen Metallstiften, die in Birnenholz gesetzt wurden. Aber auch das unmittelbare Schneiden des Musters in Birnholz war möglich. Hergestellt wurden diese Modeln von Spezialisten, den Formenstechern. Wer da noch etwas mehr hören möchte, ist hier richtig.

In Nastätten bietet das Museum eine Ausstellung von alten Gerätschaften rund ums Blaufärben. Einiges, was hier geschrieben wurde, wurde der Internetseite des Museums entnommen.

Teil der Musterkarte der “Blaudruckerei im Kattrepel”

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