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Hessenstraße von St. Goarshausen durch den Taunus bis zur Wetterau

Das genaue Alter dieser Straße ist nicht bekannt. Teile scheinen keltisch zu sein, worauf auch die vielfachen Hügelgräber schließen, und in römischer Zeit befestigt worden zu sein. Der Gesamtverlauf bzw. der Name Hessenstraße ist vermutlich erst spätmittelalterlich.
Von St. Goarshausen steigt sie als gebesserter Fahrweg über den Hasenberg hinauf nach Patersberg; durch den Ort, asphaltierter Fahrweg nahe Domäne Hof Offenthal. Hier als „Römerstraße“ bekannt (Tafel, ausgegrabenes Straßenpflaster, sowie Hügelgräber), durch den Wald bei Sehnental (empfehlenswerter Wandererparkplatz), über den Galgenkopf (hier schöner unbefestigter Landweg) und zwischen Reitzenhain und Niederwallmenach zum Kuhheck (hier und am Hohen Wald Hügelgräbergruppe).

Hier, an der alten Gau-Richtstätte (Galgenberg) vereinigt sie sich mit einer von Braubach (Marksburg) südwestlich heranführenden wichtigen Höhenstraße, die als Neuer Weg am Bundeswehrdepot, Falkenborner Hof, Erlenborn vorüber (mit TH markiert), südlich an Gemmerich, Himmighofen und dann nahe der alten Kleinbahntrasse nördlich um Bogel herumführt. Auch diese Altstraße ist äußerst interessant, da sie überwiegend im unbefestigten Naturzustand ist, und ein wunderbares Panorama bietet. Südwestlich von Winterwerb ist ihr Verlauf mit alten Grenzsteinen auf über 8m (inkl. Sommerweg) markiert, und sollte hier auf gar keinen Fall ausgebaut, sondern als Kulturdenkmal erhalten werden. Über das Alter dieser Straße habe ich nichts herausfinden können und wäre über Hinweise erfreut. Klar scheint zu sein dass sie im Mittelalter zur Verbindung von Alt- und Neukatzenelnbogen (Braubach) diente, die derselben Herrschaft gehörten.

Die Hessenstraße zieht weiter nördl. von Laudert (wiederum Hügelgräber) und durchquert dann bei der Schwaller Mühle/ Hof Schwall das Mühlbachtal, südl. an Nastätten vorüber, zum Heidehof in Richtung Holzhausen. Unweit des Mückenhügels kreuzt sie die Bäderstraße. Durch den in 2000 neugebauten Abschnitt der B274 zwischen Nastätten-Funkenmühle und Holzhausen ist dieser früher stille unbefestigte Abschnitt jetzt lärmerfüllt, und nur über riesige neugebaute Brücken kann die neue Straße überquert werden. Der große Kreisel am Ortsausgang von Holzhausen ist ein weiteres neues Hindernis, und Musterbeispiel überzogenen neuzeitlichen Straßenbau- und –planwahns.
Im Waldgebiet zwischen Laufenselden und Holzhausen führt die Hessenstraße nahe der alten Kleinbahntrasse zum Römerkastell und vereinigt sich mit der vom Süden kommenden Kohlstraße. Ihr älterer Verlauf hat diese vermutlich gekreuzt und führte ostwärts (2001 befestigter) Waldweg zum Hahnkopf (Hügelgräber), in Eisighofen über den Dörsbach und bei Hausen über die Aar (dort Anschluß an die Alte Poststraße nach Wörsdorf).

Der neuere Abschnitt führt mit der Kohlstraße zum Forsthaus Rettert/ Waldeslust, über den Wolfskopf (Hügelgrab) hinab nach Katzenelnbogen, und über den Rödelsberg und Steinkopf, an Schloß Hohlenfels vorbei, zum Aarübergang Zollhaus, und (vermutlich neuzeitlicherer Verlauf) nach Hahnstätten, und meistenteils als Feldweg weiter durch die Ortschaften Netzbach, Heringen, Neesbach, Dauborn nach Niederselters, von dort bis Haintchen als breite Hauptstraße (L3449) ausgebaut, ab Haintchen als stille Waldstraße weiterführend. Hier verbindet sich die Hessen- mit der Rennstraße (s.o.) und läuft mit ihr gemeinsam nach Weilmünster. Geradeaus verläuft der Höhenweg weiter nach Winden ins Weiltal und nach Usingen (vermutlich spätmittelalterlicher Straßenzug).
Die Hessenstraße geht noch weiter, nämlich nach Überschreiten der Weil in Weilmünster entlang der L3054 zum Einhaus (Kreuzung mit der "Alten Frankfurt-Weilburger Straße" - mindestens spätmittelalterlich, heute B456) und weiter nach Möttau und Kraftsolms. Ab da wird der Verlauf auch für den Naturfreund und detektivischen Geschichtsfreund wieder interessant: Auf der Höhe zwischen Kröffelbach und Oberquembach, dann wieder in den Wald eintauchend über den Köhlerberg, wo die Straße auch unter dem vermutlich älteren Namen Heerstraße bekannt ist, südlich des schon 832 gegründeten Oberwetz. Hier kreuzt sie eine vermutlich spätmittelalterliche Parallelbahn zur weiter unten beschriebenen Wetzlarer Straße, die wie folgt verläuft: von Wetzlar, westlich um den Stoppelberg herum, nach Reiskirchen, Oberwetz, über den Köhlerberg, östlich an Griedelbach vorüber, und dann verzweigend südlich nach Weiperfelden, Bodenrod und zur Wellerstraße, oder westwärts vorüber am Zechenhaus, Espa und Oes nördlich umgehend nach Butzbach. Der gesamte Verlauf dieser beiden Straßenzüge ist bestens zu bewandern.

Die Hessenstraße verläuft vom Köhlerberg weiter als Waldweg zum Napoleonstock. Hier rastete der Sage nach Napoleon auf der Flucht aus Russland 1812, dies ist aber wahrscheinlich nicht authentisch. Der weitere Wegverlauf ist leicht unklar, entweder über Niederkleen und Langgöns, oder Dornholzhausen nach Gießen, oder auch nach Butzbach (oder Rheinfelser Straße nach Volpertshausen??). Die Hessenstraße soll jedenfalls weiter ins nordhessische verlaufen sein, „ab nach Kassel“.

Diese Redensart und feststehende Wendung, die vielfach mit der Hessenstraße in Verbindung gebracht wird, ist ebenfalls spätmittelalter- bzw. neuzeitlich, und deutet sowohl auf das kurhessische Gefängnis in Kassel, in das man anscheinend leicht hineingeraten konnte, als auch den Sammelort für ausgehobene kurhessische Truppen, wo die „überzähligen Bauernsöhne“ des Landes vom kurhessischen Landgrafen als Einnahmequelle an andere Landesfürsten, auch ins Ausland (so z.B. nach England gegen die amerikanische Unabhängigkeitsbewegung) „ausgeliehen“ wurden

(Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung von Frank Mechelhoff, der auf seiner Site einen lesenswerten Überblick über die Altstraßen im Taunus gibt.)
 

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